URSPRÜNGE UND GESCHICHTE DER KOSMETIK

26/10/20

Der Ausdruck Kosmetik stammt vom Griechischen „kósmos“ für „Ordnung“. Daher der Ausdruck „kósmesis“ für „in Ordnung bringen“.

Die Geschichte der Kosmetik verläuft parallel zur Geschichte des Menschen, die zu Beginn durch Jagd und Aberglauben und später durch Medizin und Pharmazie geprägt war und heute darauf abzielt, den gesunden Menschen noch gesünder zu machen.

 

DIE ANTIKEN URSPRÜNGE

BEMALUNGEN, DÜFTE UND KÖRPERPFLEGE

Bereits vor 30.000 Jahren nutzte der primitive Mensch Farben und Malereien zum Bemalen von Höhlen und als Körperschmuck sowie zur Tarnung oder zum Schutz gegen Feinde.  Die Indianer bemalten ihren Körper vor der Schlacht mit leuchtenden Farben und die Zivilisationen im Fernen Osten verwendeten Kosmetika und Düfte in religiösen Ritualen.

 

Von den Ägyptern stammen die ersten Spuren von Schminke im engeren Sinne: Sie schminkten die Augen mit Malachit und Bleiglanz und das Gesicht mit rotem Ocker.  Während Speise- und Trankopfern wurden die Tempel mit bestimmten Duftstoffen parfümiert. Außerdem wurden diese bei der Vorbereitung der Kleidung während der Einbalsamierung der Verstorbenen verwendet.

 

In Indien entstand im Jahr 1000 v. Chr. der erste medizinische Kodex für die Verwendung von natürlichen Rohstoffen in der ayurvedischen Medizin, bei religiösen Zeremonien und zur Körperpflege zur Linderung der Hitze. Das Bemalen der Fußsohlen, Nägel und Handflächen war eine weit verbreitete Praxis, ebenso wie die Verwendung von intensiven Düften wie Sandelholz. Die Frauen malten ihre Gesichter an und stellten so Sonne, Mond, Blumen und Sterne dar.

 

Im klassischen Griechenland setzten sich bestimmte Schönheitsideale durch, die für Jahrtausende unverändert blieben. Für die Reinigung des Körpers von Staub und Schweiß nutzte man den sogenannten „Strigilis“, ein halbmondförmiges Streicheisen aus Metall, das man mit Salben und Ölen über den Körper strich. Mit Mastixöl bekämpfte man unangenehme Gerüche, wie zum Beispiel Mundgeruch. Die Haare wurden gefärbt und mit pflanzlichen Salben eingerieben, um sie zu stärken und vor der Sonne zu schützen. Zur Epilation wurden entsprechende Rasierer, Pinzetten und eine Mischung aus Auripigment (Arsensulfid) verwendet. Die Frauen schminkten das Gesicht mit einer Grundierung aus Bleiweiß (Bleikarbonat), wodurch die Haut die für die geltenden weiblichen Schönheitsstandards typische weiße Farbe erhielt, sowie mit einer Art Lippenstift aus rotem Ocker und Brombeersaft, der auf Wangen und Lippen aufgetragen wurde und für ein gesundes Aussehen sorgte. Wimpern und Augenbrauen wurden mit einem aus Antimon gewonnenen Puder dunkler gefärbt. Die Lider färbte man mit Antimonpulver, Ocker, verbrannten Kernen, Eisenoxiden und Kupfer.

 

In römischer Epoche entwickelte sich die Verwendung von Kosmetika weiter und nahm in einigen Fällen geradezu extravagante Züge an, entsprechend den damaligen manchmal extravaganten allgemeinen Gepflogenheiten. Die Römer liebten es, sich zu schminken: Mit Holzkohle schminkten sie die Augen, mit Tang Wangen und Lippen, Psilothrum nutzten sie zum Enthaaren, mit Gerstenmehl und Butter behandelten sie Pickel und Bimsstein diente zum Aufhellen der Zähne. Sie färbten ihr Haar dunkelbraun und blond, behandelten Falten mit adstringierenden Mischungen, setzten Zahnprothesen ein und trugen falsche Augenbrauen und Wimpern. In der wissenschaftlichen Literatur wird in dieser Zeit der Zusammenhang zwischen Medizin und Kosmetik besonders hervorgehoben.

 

Mit der Vereinigung von Syrien, Persien, Ägypten und Indien unter der Führung Mohammeds verbreitete sich die Gewohnheit der Körperpflege und Hygiene für einen guten allgemeinen Gesundheitszustand. Kosmetika wurden eingesetzt, um Krankheiten zu heilen oder vorzubeugen, und nicht nur zur Behebung von Schönheitsfehlern.

Im zehnten Jahrhundert destillierte ein arabischer Arzt Blütenessenzen und isolierte den Duft von Rosen zur Herstellung von Rosenwasser, das bald zu einem wichtigen arabischen Handelsgut wurde. In der Zwischenzeit wurden in Europa während des sogenannten finsteren Mittelalters Klöster gegründet und die Verwendung von Heilpflanzen zu Heilzwecken verbreitete sich. Im zehnten und elften Jahrhundert entstand in Salerno eine bedeutende medizinische Schule, auf die die Entstehung des ersten anerkannten Arzneibuchs zurückgeht, in dem mehr als 150 Heilpflanzen identifiziert werden und ihre Anwendung beschrieben wird.

 

Vom sechsten bis zum dreizehnten Jahrhundert entwickelten sich in der Weltmacht China Wissenschaft und Technologie rasant. Mit der Entwicklung von Transport und Handel, die eng mit der Entwicklung der kosmetischen Wissenschaft verbunden war, wurden in Europa wichtige Universitäten gegründet. Eine davon war die Universität im französischen Montpellier, die von zahlreichen Gelehrten besucht wurde und an der die berühmteste medizinische Fakultät Europas entstand. Zum ersten Mal unterschied man hier zwischen der Behandlung von Hautkrankheiten und Kosmetik für die Schönheitspflege.

 

DAS SECHZEHNTE JAHRHUNDERT

DIE PARFUM-MANUFAKTUR

Die große Nachfrage nach Parfums in Europa führte im Jahre 1508 zur Gründung der ersten Manufaktur für natürliche Parfums durch die Dominikanermönche des Klosters Santa Maria Novella in Florenz. Mit dem zunehmenden Reichtum Europas machten die internationalen Messen ständigen Märkten Platz, auf denen Parfüms, Gewürze und Aromastoffe verkauft wurden.

 

Die europäischen Königshöfe erlangten Reichtum und Einfluss, hier fand ein reger Austausch extravaganter Moden statt: Eisenoxid und Quecksilbersulfid dienten als Rouge, Bleicarbonat diente als Gesichtspuder und das mittlerweile als geschmacklos geltende Augen-Make-up verschwand. Das Interesse an Düften erreichte England und die englischen Damen nutzten Blumen und Kräuter als Raumduft und parfümierte Lotionen und Salben zur Körperpflege. In den Haushalten wohlhabender Familien gab es einen eigenen Raum für die Zubereitung von Kosmetika. In jener Zeit entstanden die ersten „modernen“ Substanzen zum Aufhellen der Zähne und gegen Pickel im Gesicht.

 

 

DAS SIEBZEHNTE JAHRHUNDERT

SCHÖNHEITSPFLEGE UND AUSBRUCH DER PEST

In diesem Jahrhundert beschäftigte sich die Medizin zum ersten Mal mit Erkrankungen von Haut, Zähnen und Nägeln und verabschiedete sich damit vom Gedanken der Kosmetik als reine Schönheitspflege. Man schminkte sich fleisch- oder blassrosa mit einer Mischung aus Bleiweiß, das reichlich auf die Haut aufgetragen wurde, um Falten im Gesicht und am Hals zu verdecken. Zinnoberrot wurde als Lippenstift verwendet, die Augenbrauen wurden nachgedunkelt und zur Verzierung der Augenlider nutzte man eine blaue, braune oder graue Creme.

 

Hygiene und Gesundheitswesen waren jedoch längst noch nicht genügend entwickelt, und das war auch der Grund für die Ausbreitung der Pestepidemien, die die Bevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts heimsuchten.

 

 

DAS ACHTZEHNTE JAHRHUNDERT

„SCHARLATANE“ UND DER BEGINN DER WERBUNG

Bis zur Französischen Revolution war ein porzellanfarbenes Gesicht nach wie vor besonders populär, ebenso wie der Brauch, sich die Lippen rot zu färben. Auch Männer benutzten Lippenstift, dunkelten ihre Augenbrauen nach und parfümierten sich, während Kinder rosafarben geschminkt wurden.

Zunehmend fand Bismutsubnitrat Verwendung, eine Substanz, die deutlich weißer war als die bisher verwendeten Zinn- und Bleioxide. Bienenwachs und pflanzliche Öle dienten als Haarcremes oder Brillantine.

 

Trotz der zahlreichen Apotheken, in denen man Rohstoffe und Pflanzenöle kaufen konnte, wurden nicht alle Kosmetika eigenständig zu Hause zubereitet. Immer mehr Straßenhändler begannen, parfümierte Schönheitsprodukte aller Art und mit den extravagantesten Eigenschaften zu verkaufen. Auf sie geht der Begriff „Scharlatan“ zurück.

Im Jahre 1710 entwickelte der Italiener Ferminis eine Formel für ein Duftwasser, das er in seinem Laden in Köln verkaufte. Dieses Kölnisch Wasser wurde zunächst als Heilmittel gegen allerlei Übel und als Elixier für ein langes Leben gehandelt und später als Duftwasser populär.

Die ersten Werbungen erschienen. Zu Anfang handelte es sich um Flugblätter, die verteilt wurden, später wurde in Tageszeitungen Werbung veröffentlicht.

 

 

DAS NEUNZEHNTE JAHRHUNDERT

DIE ERSTEN KOSMETIKFABRIKEN UND DIE BOTANIK

Die Mechanisierung im Zuge der industriellen Revolution, die Entwicklung der Chemie und die zunehmende Verfügbarkeit von Rohstoffen führten zur erstmaligen industriellen Herstellung von Kosmetika. Die Apotheken verkauften neben Arzneidrogen und Medikamenten jede Art von kosmetischen Produkten oder Inhaltsstoffen, auch begünstigt durch die für die Nachkriegszeit typische allgemeine Duldung.

Während die Frauen begannen, auf Korsetts zu verzichten, verbreiteten sich Kosmetika derart, dass manche Frau sogar ihre Brustwarzen bemalte. Im Jahr 1828 führte Guerlain in Frankreich die erste Lippensalbe ein, in England jedoch kam es in der viktorianischen Epoche zur Wiederentdeckung der Liebe für die natürliche Schönheit. Das Augenmerk lag auf der Pflege der Haare: Duftende Salben und Pomaden, Perücken und gefärbtes Haar waren sehr beliebt.

 

Die Erforschung ätherischer Öle erhielt durch die botanische Klassifizierung von Pflanzen einen starken Impuls und ihre Verwendung stieg auch aufgrund ihrer Verarbeitung in der Getränkeherstellung rasch an. Die kreativsten Parfümeure erfanden neue Düfte und es kamen zahlreiche Seifen auf den Markt, sowohl für die Köperhygiene als auch für den kosmetischen Bedarf.

 

 

DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT

SONNENCREMES UND GESETZE

Die ersten Kosmetikfirmen entstehen.

Im Jahr 1901 wurde in Boston die Firma Gilette Company gegründet, die Sicherheitsrasierer und Rasierseifen vertrieb. 1907 zog Helena Rubinstein von Australien nach London und eröffnete einen Schönheitssalon und dann eine Kosmetiklinie. Wenige Jahre später, 1910, gründete Elizabeth Arden ihr Unternehmen in Amerika. 1910 schufen Roger und Gallet den ersten in einem kleinen Pappzylinder untergebrachten Lippenstift und einige Jahre später wurde dieser Stift, der ein teureres Parfüm enthielt und in einem Metallzylinder steckte, in den Apotheken angeboten.

Die allgemeine industrielle Entwicklung und die Entdeckung neuer Rohstoffe waren eine Inspirationsquelle für die Entwicklung moderner Kosmetika. Forschung und Entwicklung fanden für jede Art von Produkt Anwendung, vom Haarfärbemittel bis hin zum Parfüm und Deodorant; die eigentliche Neuheit zu Beginn des Jahrhunderts war jedoch die Erfindung von Bräunungs- und Sonnenschutzmitteln.

 

Ausgehend von der antiken Vorstellung, dass Sonnenlicht Blutarmut heilt, und in Anlehnung an die Theorien der Schule des Herodot im antiken Rom wich die sittsame Zurückhaltung des viktorianischen Zeitalters und die Menschen frönten dem Sonnenbaden, das seit 1930 in England zum nationalen Zeitvertreib wurde, wo ein gebräunter Körper als Zeichen für gute Gesundheit galt. Durch das Sonnenbaden verstärkte sich die Sensibilität für das Thema Sonnenbrand, und Bräunungsprodukte und Sonnenschutzmittel wurden zu den an den häufigsten hergestellten und gekauften Kosmetika.

 

Die größte Errungenschaft des Jahrhunderts waren die gesetzlichen Bestimmungen für Kosmetika und Toilettenartikeln, die den Menschen mehr Sicherheit gewährleisten sollten. Seit den 1960er Jahren muss ein kosmetisches Erzeugnis spezifische technische Anforderungen erfüllen und darf keine gesundheitsschädlichen Bestandteile enthalten. Im Unterschied zu pharmazeutischen Produkten dürfen Kosmetika lediglich dazu dienen, das ästhetische Erscheinungsbild ihrer Nutzer zu verbessern.

 

In den achtziger und neunziger Jahren sind Kosmetika in jeder Hinsicht zu einem wichtigen Instrument der Körperpflege geworden. Kosmetika sind also nicht mehr nur Produkte für die Schönheitspflege, sondern leisten einen Beitrag zur Gesundheit und Schönheit der Haut.