Die entwicklung der weiblichen schönheit in den vergangenen 100 jahren

05/02/20

Wie hat sich das Bild des perfekten Körpers verändert? Wie sehr unterscheiden sich die heutigen Schönheitsideale von denen der Vergangenheit? Eine schwierige Antwort angesichts der Tatsache, dass sich das Konzept der „Schönheit“ in den vergangenen einhundert Jahren einen umfassenden Wandel erlebt hat. Man denke nur an die Kunstwerke und daran, wie sich die Darstellung des weiblichen Körpers in seinen Formen und Proportionen im Laufe der Zeit verändert hat: Schönheit ist nicht absolut, sondern verändert und entwickelt sich, sie folgt Moden und Trends und ist je nach Ort und Gesellschaft anders.

Das Gibson-Girl

 

So sah weibliche Schönheit nach Meinung des Illustrators Charles Dana Gibson aus, der zwischen Ende des 19. Jahrhunderts und Beginn des 20. Jahrhunderts diese Darstellung schuf.  Perfekt personifiziert wurde die Figur von der Schauspielerin Camille Clifford. Tausenden von Frauen versuchten, dieses Schönheitsideal zu kopieren, das über zwei Jahrzehnte in Mode blieb und als der erste nationale US-amerikanische Schönheitsstandard gilt.

Die Flappers

Zehn Jahre danach veränderte sich die Mode radikal und die üppigen Formen des Gibson-Girl machten Platz für die sogenannten „Flappers“. Margaret Gorman, die erste Miss America, war die Flapper par excellence. Die Flappers-Girls diktierten die Mode der 1920er Jahre: Sie waren Stilikonen und lebten ein revolutionäres Frauenbild, sie hörten Jazz und tanzten den berühmten Charleston, sie rauchten und hatten ein einnehmendes Wesen.

Die Flappers sind dank ihres Stils immer noch lebendig im kollektiven Gedächtnis und waren die ersten Frauen in der westlichen Welt, die Kurzhaarfrisuren trugen, wie die Männer. Ihr Look zeichnete sich aus durch kurze Kleider mit Fransen, Perlenketten und Federn. An den Füßen trugen sie die klassischen Schuhe mit mittelhohem Absatz und Riemen um die Fessel, damit die Schuhe bei den schnellen Tänzen, die Flappers meisterhaft beherrschten, nicht wegrutschten. Die Flappers waren die ersten Repräsentantinnen der weiblichen Emanzipation. Mit ihnen begann jener typische Wechsel im weiblichen Schönheitsideal von üppigen Kurven zur eher schlanken Silhouette.

Die 50er Jahre, von Marylin bis Twiggy

Ab den 30er Jahren wurden die Proportionen wieder fülliger und fanden ihren Höhepunkt zwanzig Jahre später in der Ikone Marilyn Monroe, deren Schönheit und großzügige Formen weltweit bekannt sind und keiner Erklärung bedürfen. Nach Ende des Zeitalters der weichen Kurven der Fünfziger verändert sich das Bild erneut und die magereTwiggy“, so der Künstlername von Lesley Hornby, wurde zur Verkörperung weiblicher Schönheit.

Die aus einem Vorort von London stammende Twiggy wurde mit sechzehn Jahren von Justin de Villeneuve entdeckt. Dieser hatte sie bei einem Friseur gesehen, wo sie als Haarwäscherin arbeitete. Er wurde erst ihr Freund und dann ihr Manager und erkannte in ihr das „neue Gesicht“, auf das das Swinging London der Sechziger Jahre gewartet hatte. Er machte sie unter dem Pseudonym „Twiggy“ (Zweiglein), das explizit Bezug nimmt auf ihre dünne Figur, berühmt. Nach nur einem Jahr wurde Twiggy zu einer Berühmtheit und wurde von der bekannten englischen Stilistin Mary Quant als Testimonial für die Lancierung des von ihrem entworfenen Minirock eingesetzt. Das war der Beginn einer Zeit strenger Diäten für das Erreichen jenes unerreichbaren, perfekten Idealbilds.

Die 80er Jahre: Elle, „The Body“

 

In den 80er Jahren wurden Kurven wieder modern, doch auf eine neue Art und Weise: Gefragt sind nun ein perfekter Körper und super lange Beine, wie die der Ikone der damaligen Zeit: Elle „The Body“ Macpherson. Es beginnt die Ära der Fitnessbewegung und der körperlichen Form, die zu jedem Preis erreicht werden muss.

Die heutige Schönheit

Schwer zu sagen, wie das Schönheitsbild heute genau aussieht. Heute leben wir eine Mischung vergangener Trends, wobei das Konzept eines ausgewogenen und fitten Körpers immer noch gefragt ist, allerdings mit stärkerem Augenmerk auf Gesundheit und Harmonie. Außerdem ist Schönheit kein statisches Konzept! Zum Glück hat jeder seinen eigenen Geschmack, doch die Entwicklung der Schönheit im Laufe der Jahre bietet dennoch überraschende Einblicke.